Kein Billig Bio im deutschen LEH
Preisdruck der Handelskonzerne Edeka, Rewe und Aldi hat die Sendung als Grund des Missstandes im Bio-Hühnerstall ausgemacht. Das klingt plausibel. Das hört man gern. Das glaubt man abends um 22 Uhr auf der Couch auch sofort. Aber das Leben ist kein Fernsehkrimi, wo sich die Menschen säuberlich in gut und böse scheiden lassen.
Dabei ist Bio im LEH nicht gerade billig. Das weiß jeder, der Bio-Bananen kauft. Aus Preisbewusstsein empfiehlt sich oft der Umweg zum Fachhandel. Ja, Bio-Supermärkte sind nämlich in vielen Fällen preiswerter als Rewe-Bio oder Edeka-Bio. Die beiden Vollsortimenter haben noch keine Bio-Produkte verschenkt. Sie nutzen das hohe Abschöpfungspotenzial in ihrem Biosortiment nicht weniger als der Bioladen. Bio soll ihnen ihr Premium-Image verbessern helfen.
Beim Bio-Landwirt kommt von höheren Verbraucherpreisen nicht zwangsläufig etwas an. Die Preisbildung im Einkauf und im Verkauf ist nicht identisch. Aus einem höheren Verkaufspreis im Handel kann nicht ein höherer Erzeugerpreis abgeleitet werden.
Der Bauer erhält etwa 16 bis 18 Cent für ein Ei von den Supermärkten. Mehr zahlt auch der Naturkosthandel im Einkauf nicht. Nach einer Modellrechnung ist das selbst dann wirtschaftlich, wenn teure mobile Hühnerställe eingesetzt werden. Die Packstelle braucht sechs bis acht Cent. Dann wird das Ei für 22 bis 24 Cent abgegeben. Discounter Netto und Aldi nehmen für ein Bio-Ei nur 26 Cent.
Der Preis ist demokratisch. Schließlich soll sich jeder ein biologisches Frühstücksei leisten können. Ein konventionelles Ei gibt es im Discount allerdings schon für 12 Cent. Der Preisabstand zu Bio ist beträchtlich. Ein billiges Bio-Ei ist mehr als doppelt so teurer als ein konventionelles Niedrigpreis-Ei. Beim Discounter sind die Bio-Eier in der Regel M-Sortierungen, also mittlere Eier. L-Sortierungen waren bei einer Stichprobe nicht zu finden. Dadurch und durch die Abnahmemengen hat er günstigere Einstandspreise. So kann dem Ei neben dem KAT-Stempel nicht automatisch der Dumping-Stempel verpasst werden. Wenn das S-Bio-Ei zu Flüssigei wird, bekommt der Bauer nicht mehr Geld dafür.
Die Rewe berechnet ihren Kunden 31,5 Cent für ein Bio-Ei. Die Edeka nimmt zum Teil noch mehr. Das Preis-Niveau für Bio-Eier im Supermarkt liegt 20 bis 30 Prozent über dem Discount und ist keineswegs Billig-Bio. Als Preisbrecher bei Bio taugt weder die rote Rewe noch die blau-gelbe Edeka.
Der Beitrag empfiehlt kleinere Hühner-Bestände, um artgerechte Tierhaltung einfacher umsetzen zu können. Zu oft ist da bei Bio ein Idyll im Kopf. Dabei entscheidet der Platz pro Tier, nicht die Zahl über die artgerechte Haltung. Aber man kann bei Stallgrößen mit dreistelliger Tieranzahl Deutschland nicht flächendeckend mit Bio-Eiern versorgen.
Ein regionaler Bio-Bauern als Lieferanten ist für den SEH eine verlockende Lösung, aber nicht gern praktiziert. Die Zentrale hält den Kaufleuten die notwendige Qualitätssicherung vor, die bei regionalem Bezug nicht leistbar sein soll. Strukturen haben ihren Sinn, sie sollten jedoch nicht als überzogenes Bindungsinstrument ausgenutzt werden. Das SWR-Fernsehen riet seinen Zuschauern, sich einen Bauer des Vertrauens zu suchen. Der ständig offene Stall von Tauberbischofsheim bis Tetnang und der Städter ständig auf der Tour durchs Ländle, ist jedoch keine praktikable Empfehlung. Empfehlenswert wäre eine Zusammenarbeit der Kaufleute mit den Verbänden, die gute Bio-Bauern kennen und vermitteln.
Die Erzeuger, die Bio nicht nur nach dem Buchstaben, sondern auch nach dem Geist praktizieren, und die Tiere artgerecht halten, können als Vorbild zur Nachahmung gelten. Diese Bilder fehlten im Fakt-Bericht. Die Normalität verkauft sich so schlecht.
Die Biohennen AG in Bayern hat sich der bäuerlichen Landwirtschaft verschrieben. „Unsere Hühner haben Federn“, verdeutlicht Vorstandsvorsitzender Walter Höhne. In der Legegemeinschaft sind aktuell 27 Bauern aus Bayern und Baden-Württemberg zusammengeschlossen. Sie halten 100.000 Hühner und arbeiten nach Biohennen-Richtlinien, die zwei Herden mit je 3.000 Legehennen pro Stall erlauben. Die Bio-Eier der Gemeinschaft sind auch in vielen Supermärkten in Süddeutschland erhältlich, jedoch nicht zu einem Billigpreis. 40 Cent und mehr sind an der Kasse pro Ei fällig.
„Bioland will Bauern“, sagt Gerald Wehde vom Bundesverband in Mainz. Das sieht der Bio-Bauernverband als beste Voraussetzung für eine nachhaltige Bio-Landwirtschaft mit artgerechter Haltung. Das veralte Bild-Material in der ARD-Sendung hat ihn nicht überzeugt.
Die Sendung nannte große Strukturen als Ursache für Misstände in der Geflügelhaltung. Klein ist kein Garant für Qualität. Probleme in der Tierhaltung gibt es auch bei Bio. Federpicken ist eines davon. Bei älteren Herden kommt es öfter vor. Auch Zugluft, Feuchtigkeit, zu warme und stickige Luft, Kälte oder Raubtiere in der Nähe können das Federvieh nervös und aggressiv machen. Auch das Futter kann Probleme verursachen. Das Problem liegt nicht allein in der Herdengröße. Umwelteinflüsse machen die Hennen zu Pickern. Schließlich haben wir es mit Tieren zu tun, so eine Verbandsvorsitzende. Und das sind Hybrid-Tiere aus den gleichen Züchtungen wie für die konventionelle Produktion.
Karin Artzt-Steinbrink, Vorsitzende des BioFairVereins, einem Zusammenschluss deutscher Hersteller, vertritt einen klaren Standpunkt: „Wenn Verbraucher bereit sind, für Bio-Lebensmittel mehr Geld auszugeben, haben sie auch das Recht auf Qualität. Damit ist nicht nur die Qualität des Lebensmittels gemeint. Es geht auch darum, unter welchen Bedingungen das Lebensmittel hergestellt wird. Die an der Herstellung beteiligten Menschen müssen davon leben können, und die Nutztiere tiergerecht gehalten werden.“
Quelle: biopress
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